Kapitel 8 -Her mit den Verben-
„Das Eintreten des Todes wird verzögert, aber ins Leben wird dieser Mensch nie zurückkehren“ oder: „Sterben soll er nicht und leben kann er nicht“. Verben sind anschaulicher, schlanker, bewegter als Substantive, nicht immer, jedoch bei Vergleichbarem Bildgehalt.
Süskind unterscheidet vier Rangstufen von Substantiven. Die bildhaften, konkreten: Blitz, Baum, Wolke; die bildnahen: Treue, Neid; die bildleeren, abstrakten: Verantwortung, Selbstbeherrschung (generell die, die auf –ung, -heit, -keit, -ät, -ion, -ismus oder auf –nis, -sal und –schaft enden und zu Letzt die lebenden Leichname: Zurschaustellung, Inaugenscheinnahme.
Aber auch einige Verben sind misstrauisch zu beäugen:
a)die, die sich mit einem Substantiv verheiraten: Bekenntnisse ablegen, Abhilfe schaffen, Verzicht leisten. Wer Verzicht leistet, leistet nichts, und wer Stimmenthaltung übt, braucht nicht zu üben, er kann es offenbar schon.
b)Luftwörter: bewirken, bewerkstelligen
c)tote Verben: sich befinden, liegen, gehören.
Andererseits lassen sich mit statischen Verben starke Wirkungen erzielen. („Der Wald steht schwarz und schweiget“) und umgekehrt täuschen einige Verben eine Tätigkeit vor: Was tut der Baum, der Schatten spendet? Nichts. Was tut der Berg, der sich still übers Tal aufschwingt? Wieder nichts.
Man sollte sich zweimal überlegen, ob man solche Wörter überhaupt nutzen will. Welche Verben sind also erstrebenswert? Schlichte Verben sind erlaubt und erwünscht, auch im Journalismus, und Schiller macht es vor: „Balken krachen, Pfosten stürzen, Fenster klirren, Kinder jammern, Mütter irren.“
Das sollte man meiden:
Das falsche Imperfekt. Falsch: „Der Bundestag verabschiedete gestern das Gesetz über …“. Richtig: „Der Bundestag hat gestern beschlossen, …“.
Das leidige Plusquamperfekt. Falsch: Der Ausbrecher von heute „war gestern zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden“. Wieso „war“? Er ist verurteilt worden.
Das ärgerliche Passiv, das Lieblingsinstrument der Bürokratie: „Sie werden dringend ersucht …“ und eine Möglichkeit, Personen nicht zu benennen, sondern sie hinter Floskeln zu verstecken wie „Es wird angeordnet …“
Der ungute Infinitiv. Besonders störend, wenn ein zweiter Infinitiv vom ersten abhängt: „…dem Gewerkschaftsnachwuchs zu verbieten, sich dem Aufruf anzuschließen.“ Falsch ist ein Infinitiv auch, wenn er eine bereits gemachte Aussage tautologisch wiederholt: - die Erlaubnis, den Sitzungssaal betreten zu dürfen. Denn die Fähigkeit ist schon das Können, die Erlaubnis das Dürfen.
„Verben verstecken“ ist bei weitem das dümmste Spiel, das man mit der Sprache treiben kann. Das Verb tritt immer an prominenter Stelle auf. Niemals sollten wir ein Substantiv verwenden, wo ein Verb denselben Dienst versieht. Nicht: die Kunst der Verständlichkeit des Schreibens, sondern: die Kunst, verständlich zu schreiben.
Süskind unterscheidet vier Rangstufen von Substantiven. Die bildhaften, konkreten: Blitz, Baum, Wolke; die bildnahen: Treue, Neid; die bildleeren, abstrakten: Verantwortung, Selbstbeherrschung (generell die, die auf –ung, -heit, -keit, -ät, -ion, -ismus oder auf –nis, -sal und –schaft enden und zu Letzt die lebenden Leichname: Zurschaustellung, Inaugenscheinnahme.
Aber auch einige Verben sind misstrauisch zu beäugen:
a)die, die sich mit einem Substantiv verheiraten: Bekenntnisse ablegen, Abhilfe schaffen, Verzicht leisten. Wer Verzicht leistet, leistet nichts, und wer Stimmenthaltung übt, braucht nicht zu üben, er kann es offenbar schon.
b)Luftwörter: bewirken, bewerkstelligen
c)tote Verben: sich befinden, liegen, gehören.
Andererseits lassen sich mit statischen Verben starke Wirkungen erzielen. („Der Wald steht schwarz und schweiget“) und umgekehrt täuschen einige Verben eine Tätigkeit vor: Was tut der Baum, der Schatten spendet? Nichts. Was tut der Berg, der sich still übers Tal aufschwingt? Wieder nichts.
Man sollte sich zweimal überlegen, ob man solche Wörter überhaupt nutzen will. Welche Verben sind also erstrebenswert? Schlichte Verben sind erlaubt und erwünscht, auch im Journalismus, und Schiller macht es vor: „Balken krachen, Pfosten stürzen, Fenster klirren, Kinder jammern, Mütter irren.“
Das sollte man meiden:
Das falsche Imperfekt. Falsch: „Der Bundestag verabschiedete gestern das Gesetz über …“. Richtig: „Der Bundestag hat gestern beschlossen, …“.
Das leidige Plusquamperfekt. Falsch: Der Ausbrecher von heute „war gestern zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden“. Wieso „war“? Er ist verurteilt worden.
Das ärgerliche Passiv, das Lieblingsinstrument der Bürokratie: „Sie werden dringend ersucht …“ und eine Möglichkeit, Personen nicht zu benennen, sondern sie hinter Floskeln zu verstecken wie „Es wird angeordnet …“
Der ungute Infinitiv. Besonders störend, wenn ein zweiter Infinitiv vom ersten abhängt: „…dem Gewerkschaftsnachwuchs zu verbieten, sich dem Aufruf anzuschließen.“ Falsch ist ein Infinitiv auch, wenn er eine bereits gemachte Aussage tautologisch wiederholt: - die Erlaubnis, den Sitzungssaal betreten zu dürfen. Denn die Fähigkeit ist schon das Können, die Erlaubnis das Dürfen.
„Verben verstecken“ ist bei weitem das dümmste Spiel, das man mit der Sprache treiben kann. Das Verb tritt immer an prominenter Stelle auf. Niemals sollten wir ein Substantiv verwenden, wo ein Verb denselben Dienst versieht. Nicht: die Kunst der Verständlichkeit des Schreibens, sondern: die Kunst, verständlich zu schreiben.
chaoskatrin - 10. Jun, 18:40
1 Kommentar - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
rahelrath - 13. Jun, 21:40
Halli Hallo!
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GRüße von Rahel
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