Donnerstag, 16. Juni 2005

Kapitel 9 -Das treffende Wort-

Das treffende Wort ist nicht unbedingt ein Wort, das genau das beschreibt, was es meint, sondern oftmals ist es ein Wort, das dem Volksmund entsprungen ist. So sagt man z.B. nicht
„Autobahngegenstromeinbieger“, sondern „Geisterfahrer“. Und auch sagen wir „Über Stock und Stein“, lassen dabei aber die Pfützen aus, und dennoch wissen wir, was damit gemeint ist.
Die Sprache liebt das pars pro toto (den Teil anstatt des Ganzen). So warnt z.B. Reiners davor, im Blindenstil zu schreiben, so als hätte der Leser weder Augen noch optische Erinnerung noch Fantasie.
Von den Behörden ist dies nicht zu erwarten. Sie habe gewissermaßen sogar eine Pflicht zur logischen erschöpfenden Vokabel von der Machart
„Körperschaftssteuerdurchführungsverordnung“. So sagt Wolf Schneider in seinem Buch:
Weg mit den Tarnwörtern
Es ist kein Kernkraftwerk, sonder ein Atomkraftwerk, es hat ja schließlich nicht wirklich mit Kernen wie in Kirschen oder ähnlichem Obst zu tun, sondern mit dem Atomkern, also kann man dies auch sagen.
Künstler auf dem Gebiet der Worttarnung ist der Einzelhandel. Statt billig oder teuer, nehmen sie einfach das Wort „preiswert“, sozusagen als Synonym für billig, was aber nichts aussagt darüber, ob die Ware wirklich billig ist, denn schließlich ist ja alles seinen Preis wert.

Denn das treffende Wort kann nur jenes sein, das die Sache oder den Sachverhalt in ungetarnter, schlüssiger, allgemein verständlicher Form benennt.

Weg mit dem Schwulst
Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass solche Unternehmen die Krise am besten meistern, die durch rechtzeitige Modernisierung ihrer Unternehmenspolitik neues schöpferisches Geistespotenzial schaffen und gleichsam neue innere Märkte erschließen. Das ist keine Absage an die Tradition, sondern die nüchterne Schlussfolgerung, dass Tradition im Bereich des Handelns dort ihren größten Wert erlangt, wo sie uns hilft, die Zukunft zu gewinnen.“ –WAS HAT DER GESAGT?-

Auch abstrakten Oberbegriffen sollte ausgewichen werden. Wenn ich viele Birken sehe, sage ich nicht Bäume, wenn ich Windkraft meine, sage ich nicht alternative Technologie. Zudem sind die treffenden Wörter oft besser, denn der Geisterfahrer besteht aus vier Silben, der Gegenrichtungsfahrbahnbenutzer hat neun. Schwitzen hat zwei, transpirieren hat vier, Dauerregen hat vier, ergiebige Niederschläge hat acht und der Stuhl hat eine Silbe, die Sitzgelegenheit hat fünf Silben. Also, warum machen wir es uns und den Lesern nicht einfacher?

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