Sonntag, 19. Juni 2005

Kapitel 10 -Das deutsche Wort-

Das beste Deutsch könnte aus lauter Fremdwörtern zusammengesetzt sein, weil nämlich der Sprache nichts gleichmütiger sein kann als das „Material“, aus dem es besteht.

Wichtig ist nach Schneider, dass die Fremdwörter, die wir benutzen, anschaulich und verständlich sind. So ist Adresse populärer als Anschrift und frankieren populärer als freimachen, und kein Sprachliebhaber würde folgenden Satz loben: „Russland gestattet sich einen schweren Komplex der Inferiorität, der seine Effizienz lähmt; es glaubt auf das infantile Ritual des Eigenlobs nicht verzichten zu können.“ (Der Spiegel) Wie bitte?
Das ist alles nur arrogantes Wortgeklingel, so ist sich der Literaturwissenschaftler zu schade, das Erzählerische, das er meint, so zu nennen- das Narrative muss es sein.
Das Fremdwort ist willkommen oder erlaubt, wenn es
1. verständlich und treffen ist (Sex, Ironie)
2. verständlich und auf dieser Stilebene nicht durch ein deutsches zu ersetzen ist (homosexuell)
3. Lokalkolorit vermitteln (Datscha)
4. zwar nicht allgemein verständlich, aber bisher ohne deutsche Entsprechung ist
Dennoch sollte der Versuch nicht ausbleiben, neu erscheinende Fremdwörter ins Deutsche zu übersetzen, denn so wird aus Exkursion der Ausflug und aus Supplikanten der Bittsteller
Weg mit den Anglizismen (tritt in verschieden Formen auf), wie z.B.:
1.dümmliche Nichtübersetzung
2.irreführende Nichtübersetzung (administration heißt in USA Regierung, und nicht wie in Deutschland Verwaltung)
3.Verdrängung eines griechischen Wortes in seiner deutschen Form durch ein griechisches Wort in seiner englischen Form (Technik auf engl. Technology, auf deutsch Technologie)
4.eine scheinbar deutsche Wortprägung, die ein angelsächsisches Vorbild nachäfft (wir nutzen Netz, weil es network heißt, aber net ist nur aus Garn und Tüll)
Zudem neigt der Deutsche dazu, deutsche Namen für fremde Länder oder Städte mit großem Eifer den dort üblichen Benennungen oder Umbenennungen anzupassen, so wurde aus dem schönen Wort Persien der Irak. Aber warum? Wir heißen Deutsche, was schert es die Engländer, die uns „Germanen“, die Franzosen, die uns „Alemannen“, die Italiener, die uns „tedeschi“ nennen?

Trackback URL:
https://chaoskatrin.twoday.net/stories/776389/modTrackback

Archiv

Juni 2005
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 

Mein Lesestoff


Wolf Schneider
Deutsch für Profis

Suche

 

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 7273 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 20. Dez, 18:08

Denken
Deutsch fuer Profis
Schreiben
Sprechen
Verschiedenes
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren